Prophezeiungen


Prophezeiungen sind  eine ganz spezielle Art  von Privatoffenbarungen. Der hl. Apostel Paulus schrieb über diese: „Prophezeiungen verachtet  nicht!“  (1 Thess. 5,20) Wir sollen Prophezeiungen also nicht verachten! Es versteht sich für den Katholiken von selbst, dass der  hl. Paulus nur solche Prophezeiungen gemeint hat, die von Gott sind. Denn es gibt  auch solche, die  von Betrügern sind und solche, die dämonischen Ursprungs sind:

„Lasst euch  nicht so schnell die Besinnung rauben und euch schrecken, weder durch eine Geistesoffenbarung noch durch ein angebliches Wort oder Schreiben von uns, als stünde der Tag des Herrn (das Jüngste Gericht) nahe bevor.“ (2 Thess. 2,2)

Es gibt also Prophezeiungen, welche angeblich Künftiges künden, aber  nicht von Gott sind, sondern von Dämonen, und Prophezeiungen, die das Werk von Betrügern sind. Deshalb sagt der Apostel gleich nach 1 Thess. 5,20:

„Prüft aber alles  und das Gute haltet fest!“

In der antikatholischen Prophezeiungsforschungs  werden nun alle möglichen Prophezeiungen gesammelt und wild durcheinander verwendet, sowohl aus dem christlichen Bereich als auch aus dem nichtchristlichen Bereich. Für uns Katholiken ist aber  klar, dass wir  keine Prophezeiungen  aus dem nichtchristlichen Bereich verwenden können, weil diese Prophezeiungen, auch wenn sie an sich inhaltlich nichts enthalten sollten, was der  kirchlichen Lehre  widersprechen würde, ausnahmslos in der jeweiligen nichtchristlichen Religion  eingebetet sind, und daher nicht von Gott stammen können. Deshalb  sagte der Herr durch den Propheten Moses ausdrücklich:

„Jedoch der Prophet, … der im Namen eines fremden Gottes spricht, muss sterben.“ (5  Mo. 18,20)

Damit korrespondiert der hl. Apostel Johannes, wenn er  im Heiligen Geist schreibt:

„Geliebte, traut  nicht  jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind. Denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgezogen. Daran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleische gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichrist …“ (1 Joh. 4,1-3)

Somit  findet man  von Gott stammende Prophezeiungen nur innerhalb  der sog. Christenheit! Doch auch  innerhalb der sog. Christenheit gibt es viele falsche Propheten, so, wie es auch einst  unter den Israeliten falsche Propheten gab:

„Denkst du aber in deinem Herzen: ‚Wie sollen wir das Prophetenwort erkennen, das nicht vom Herrn stammt?‘, so wisse, was der Prophet im Namen des Herrn ankündigt, ohne dass das Wort sich erfüllt und eintrifft, das ist ein Wort, das der Herr nicht gesprochen hat …“ (5 Mo.  18,20-22)

Anton Johansson

Anton Johansson

Ein solcher  Prophet, der innerhalb der sog. Christenheit im Namen des Herrn prophezeite, dessen Prophezeiungen aber nicht eintrafen, war der Protestant Anton Johansson, der in der protestantischen und nicht- und antichristlichen Prophezeiungsforschung  für glaubwürdig befunden wird. Dieser sagte während des Ersten Weltkrieges auf der Basis seiner Schauungen voraus:

„Der  erste Krieg, der nach den Unglücken des Weltkrieges eintreffen und furchtbar für die  Welt sein wird, bricht 15  bis 20 Jahre später (zwischen 1933 und 1938, m. Anm.) zwischen Spanien und Frankreich  aus. Frankreich wird  hart darunter leiden, weil auch Krankheiten hinzutreten werden.“

Doch der erste Krieg nach den Unglücken des Ersten Weltkrieges war  der Spanische  Bürgerkrieg, der von 1936 bis 1939 dauerte. Ein Krieg zwischen Frankreich und Spanien  fand  bis heute nicht statt.

Des Weiteren  wurde von Johansson ein Krieg in Schweden für 1953 geschaut, der ebenfalls nicht stattfand. Für die Zeit bis 1953 sah Johansson in Skandinavien die Sozialisten an der  Macht.

Weitere Anweisungen von Gott zur Beurteilung von Prophezeiungen erhalten  wir in 5 Mo. 13,1-5:

„Befolgt gewissenhaft alles, was ich euch gebiete! Fügt  nichts hinzu, nehmt nichts hinweg! Tritt  in deiner Mitte ein Prophet oder Traumseher auf, und kündet er dir ein Zeichen oder Wunder an, Verbot  unreiner Speisen und trifft das Zeichen oder Wunder, das er dir verkündet hat, auch wirklich ein und spricht er: ‚Wir wollen andere Götter verehren‘, die du bisher nicht gekannt hast, ‚und ihnen dienen!‘, so höre nicht auf die Worte dieses Propheten oder Traumsehers! Denn der Herr, euer  Gott, will euch prüfen, um zu erfahren, ob  ihr den Herrn, euren Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele liebt. Nur dem Herrn, euren Gott, dient und ihn fürchtet! Seine Gebote beobachtet, auf seine Stimme hört, ihm dient und ihm hanget an!“

Es gibt also auch falsche  Propheten, deren Prophezeiungen zwar richtig, aber dennoch nicht von Gott sind! Nach 5 Mo. 13,1-5 sind sie sehr leicht zu identifizieren, da sie auffordern, anderen Göttern zu folgen. Doch innerhalb der sog. Christenheit, in der ein Prophet oder Seher auftritt, der sich zum dreifaltigen Gott bekennt, und auffordert, ihm zu folgen, ist das nicht so einfach, außer er verkündet eine Lehre, die mit der Lehre des dreifaltigen Gottes bzw. seiner  hl. Kirche nicht übereinstimmt:

„Befolgt gewissenhaft alles, was ich euch gebiete! Fügt nichts hinzu, nehmt nichts hinweg!“ (5 Mo. 13,1)

William J. Seymour

William J. Seymour

Ein solcher falscher Prophet war der Pfingstprediger William J. Seymour, der am 14. April 1906 in einer Predigt ein Zorngericht Gottes in Form eines starken Erdbebens ankündigte, das dann nur vier Tage später San Francisco erschütterte und fast völlig  zerstörte. Seine Prophezeiung, die ihm eingegeben wurde, erfüllte sich zwar, doch predigte er als Pfingstler eine andere Lehre als die, die Gott seiner Kirche anvertraut hat. Wer aber von der Lehre Gottes abweicht und eine andere  bringt, so haben wir in 2  Joh. 2,8ff. vernommen, hat Gott  nicht; und da Seymour eine andere Lehre vertrat und propagierte, so hatte er Gott nicht, und so stammte seine Prophezeiung folglich nicht von  Gott, sondern vom Widersacher, trotz ihrer Richtigkeit!  Dies geht auch aus seiner richtigen Prophezeiung selbst hervor, wenn wir sie an biblischen Maßstäben beurteilen:

Seine Prophezeiung war ohne Ortsangabe!  Welchen Sinn soll nun eine „Strafgerichtsankündigung“ ohne Ortsangabe haben?  Da haben die Menschen des verschwiegenen Ortes doch keine Möglichkeit  zur Umkehr  und Buße, die Gott doch immer will (vgl. 2 Tim. 2,4 u. Ez. 33,11)! Ich will das am beispiel des Propheten  Jonas aufzeigen: Gott sandte seinen Propheten nach Ninive, um ihren Bewohnern die Zerstörung ihrer Stadt anzukündigen. Die Bewohner erschraken, kehrten um und taten Buße, so dass Gott die Zerstörung Ninives abwendete. Das einzige hingegen, was Seymours  Prophezeiung  bewirkt hat, war der Ruhm dieses Predigers und seiner  Pfingstgemeinde. Sie erhielt massiven Zulauf, und die erfüllte Prophezeiung führte  zu einer großen Zahl von Pfingstkirchengründungen in den USA, in Europa, China und  in Gebieten Südamerikas, Afrikas und Asiens. Und das alles auf Kosten ungewarnter Opfer! Und einzig diese vielen Gründungen von Pfingstkirchen in den genannten Ländern und Kontinenten als Konkurrenz zur  Kirche Gottes waren der Sinn und Zweck jener dämonischen Prophezeiung!

Das bedeutet: Prophezeiungen, die vom katholischen Glauben, von der Kirche und damit von Gott wegführen, fernhalten oder trennen, sind nicht von Gott, sondern von den bösen Mächten und Gewalten, die auch niemanden warnen, sondern so viele Menschen wie nur  möglich vernichten und ovendrauf  in die Hölle stürzen wollen. Und da mögen solche Prophezeiungen, wie im Falle Seymours, noch so richtig sein!  Und sie mögen auch von noch so vielen Zeichen und Wundern begleitet sein: „denn  es werden … falsche Propheten aufstehen, und sie  werden große Zeichen und  Wunder tun, um wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen.“ (Mt. 24,24-25), und: „Nicht jeder, der zu mir ‚Herr, Herr‘ sagt, wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der im Himmel ist. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: ‚Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen prophezeit? Haben wir  nicht in deinem Namen Dämonen ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder gewirkt?  Alsdann werde ich ihnen offen erklären: ‚Ich habe euch niemals gekannt! Weichet von mir, die  ihr die Werke des Bösen tut!“ (Mt. 7,21-23)

Auf der Basis der Heiligen Schrift kommen wir also zu dem Schluss, dass von Gott gegebene Prophezeiungen nur  innerhalb der katholischen Kirche zu finden sind. Aber auch hier  muss eine Eingrenzung vollzogen werden, da der Herr nach Mt. 7,23 indirekt sagt, dass er nur diejenigen kennt, die den Willen Gottes bzw. die Werke des Guten tun. Und nicht alle Katholiken orientieren sich am Willen Gottes und tun die Werke des Guten! Die wahren Seher und Propheten sind somit nur unter gläubigen, guten und frommen Katholiken zu finden.

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