Nostradamus nicht katholisch?


Es ist mir wohlbekannt, dass der französische Seher Michel Nostradamus (1503-1566) von vielen gläubigen Katholiken abgelehnt wird. Denn er sei Esoteriker und Okkultist gewesen und habe mit dem Protestantismus sympathisiert oder sei gar Protestant gewesen. Dieses Urteil zeigt, dass sich diese Katholiken mit dem Seher und seinen Prophezeiungen nie befasst haben und ihn daher nach dem „Hörensagen“ beurteilen und richten. Das Problem liegt im wesentlichen daran, dass ihn im Verlauf der Zeit immer mehr Esoteriker, Okkultisten und antichristliche Verschwörungstheoretiker und allerlei andere Personen für sich vereinnahmt und instrumentalisiert haben, wobei die öffentlichen Medien ihr übriges dazu beigetragen haben. Das alles erweckt dann bei den Außenstehenden natürlich den entsprechenden Eindruck. Aber es ist nicht recht, diesen Menschen nach diesem entsprechenden und falschen Eindruck zu richten, zu verurteilen und zu verdammen und ihm somit Unrecht zu tun, und schon gar nicht von Seiten der Katholiken.

Was mit unseren katholischen Sehern und Propheten alles gemacht wird, kann im Internet studiert werden. So z.B. wird unser katholischer Seher Matthias Lang (Mühlhiasl) auf einer esoterischen Internetseite kurzerhand als „Wahrsager“ betitelt, der er nicht war, und obendrauf noch zu einem Esoteriker gemacht. Es wird behauptet, er habe mit Erdstrahlen gearbeitet, durch die er seine seherischen Fähigkeiten unterstützt hätte:

Eines der Kraftzentren fand der Mühlhiasl in der Kirche auf dem Klosterareal. Die energetische Strahlung in dem Gebäude unterstütze die seherischen Fähigkeiten des Waldpropheten. Das soll der Grund gewesen sein, warum ihn die Mönche verjagten, denn sie empfanden das Tun des Mühlhiasl als Anmaßung.“(1)

Es reicht offenbar nicht aus, dass man einen katholischen Seher in die Esoterikecke stellt, es muss auch noch eine katholische Kirche für die Esoterik und den Okkultismus herhalten. In Wahrheit aber war alles ganz anders. Die Mönche verjagten den Mühlhiasl nicht wegen irgendwelcher ersonnenen und ersponnenen esoterisch-okkulten Praktiken, die er in der Klosterkirche praktiziert hätte, sondern weil sie kein Mitleid mit einen in finanzielle Not geratenen Menschen hatten. Mühlhiasl geriet nämlich in eine finanzielle Notlage, weshalb er vom Kloster Windberg, wo er arbeitete, ein Darlehen von 75 Gulden aufnahm und davon überzeugt war, dass er die Schulden nach und nach abbezahlen kann. Da er in der Folgezeit die Schulden aber nicht abbezahlen konnte, wurde er von den Mönchen kurzerhand verjagt.

Denken wir auch daran, dass die Esoteriker dasselbe mit unserer Heiligen tun, z.B. mit der hl. Hildegard von Bingen und dem hl. Pater Pio. Sie vereinnahmen sie für sich und ihre Esoterik und weisen ihnen esoterische Fähigkeiten und Praktiken zu. Des Weiteren werden Heilige, die die Gabe der Prophetie besaßen, und andere katholische Propheten und Seher, allen voran Alois Irlmaier, von antikatholischen und antichristlichen Prophezeiungsforschern und -interessierten für sich vereinnahmt. Was Irlmaier betrifft, sprechen sie schon von „unser Irli“. Dabei ist Irlmaier unser „Irli“, nicht deren, da er katholisch war.

Und so musste ich kürzlich einem Glaubensbruder schreiben:

„Was Nostradamus betrifft, gehen unsere Ansichten offenbar nach wie vor auseinander. In meinem 27jährigen intensiven Nostradamusstudium konnte ich keine Hinweise dafür finden, dass er jemals etwas anderes als den Katholizismus vertreten und praktiziert hat. Und das schlägt sich auch in seinen Prophezeiungen ganz deutlich nieder. Wäre das anders, hätte ich Nostradamus bzw. seine Prophezeiungen auch längst verworfen, wie ich das mit den nichtkatholischen Quellen getan habe. Es ist endlich an der Zeit, ihn von den Mythen und Legenden, die Nicht- und Antikatholiken um seine Person geschmiedet haben, zu befreien. Im übrigen tun diese ja dasselbe mit anderen katholischen Sehern, selbst mit Heiligen und Seligen unter ihnen, indem sie ihnen entweder ein esoterisches oder protestantisches Mäntelchen anlegen, wie sie das bei Nostradamus getan haben. Zu verurteilen sind die Täter, die so etwas tun, nicht die Opfer. Nur als solches Opfer ist Nostradamus halt am berühmtesten. Als weiteres hervorstechendes Beispiel nenne ich die hl. Hildegard von Bingen, die von den Esoterikern als Esoterikerin betitelt wird. Ihr widerfährt dasselbe Schicksal wie Nostradamus.“

Zu nennen wäre auch der hl. Franziskus, den manche Protestanten zum Protestanten oder Ökumenisten gemacht haben. Er sei nie katholisch gewesen.

Da ich mich nun schon seit 27 Jahren mit Nostradamus und seinen Prophezeiungen befasse, kann ich als traditionsverbundener Katholik versichern, dass Nostradamus ein gläubiger Katholik war und nichts mit Esoterik, Okkultismus und Protestantismus zu tun hatte. Leider ist es nicht möglich, in aller Ausführlichkeit darauf einzugehen. Daher will ich die Katholizität des Nostradamus nur in aller Kürze aufzeigen.

Den Katholiken, die Nostradamus der Esoterik bezichtigen, wird dann wohl bekannt sein, dass die Esoteriker keinen personalen Gott kennen, sondern lediglich eine kosmische Energie ohne jegliches Bewusstsein. Nostradamus hingegen glaubte an den personalen Gott, über den er in der ersten Vorrede zu seinen Prophezeiungen, im Brief an seinen Sohn Cäsar, schreibt:

Alors par plusieurs foys durant les sinistres tempestes, „conteram ergo“ dira le Seigneur, „& confringam, & non miserebor“. Dann wird während der unheilvollen Stürme der Herr mehrere Male sagen: „Ich werde sie zertreten, ich werde sie zerbrechen und keine Gnade zeigen.“

Der Gott, an den Nostradamus glaubte, ist also ein personaler Gott, ein Gott, der reden kann und es auch tut, und keine esoterisch ersonnene kosmische Energie ohne Bewusstsein, die nicht reden kann. Der Gott, an den Nostradamus glaubte, ist die Heilige Dreifaltigkeit, denn im selben Brief schreibt er:

car rien ne se peult parachever sans luy, ausquelz si grande est la puissance & la bonté aux subiectz que pendant qu’ilz demeurent en eulx … denn nichts kann sich ohne ihn (den „unsterblichen Gott“) vollenden, bei denen die Macht und die Güte so groß ist gegenüber den Knechten, solange sie in ihnen bleiben …

Hier erhalten wir in Nostradamus‘ Propheties den ersten Hinweis auf den dreifaltigen Gott, denn anfangs spricht Nostradamus von „ihn“ (Singular) mit Bezugnahme auf den „unsterblichen Gott“, den er in den Zeilen zuvor so bezeichnet. Damit erklärt Nostradamus, dass Gott einer ist, ein einziger Gott. Doch sogleich spricht er von dem einen wahren Gott als von „ihnen“ (Plural), „bei denen (!) die Macht und die Güte so groß ist gegenüber den Knechten“. Der eine Gott, zu dem sich Nostradamus bekennt, ist also mehrpersonal (der Vater, die erste göttliche Person, und der Sohn, die zweite göttliche Person, und der Heilige Geist, die dritte göttliche Person).

Auch wenn Nostradamus an dieser Stelle die Anzahl der göttlichen Personen nicht nennt, so weist er auf diese in seinem gesamten prophetischen Werk hin: Drei! Gemäß dem kirchlichen Glaubensbekenntnis bezeichnet er die erste göttliche Person, den Vater, als „Gott, der Schöpfer“ („Dieu le Createur“): „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde …“ (Glaubensbekenntnis) Die dritte göttliche Person nennt er „Heiliger Geist“ („sainct Esprit“), und bezeichnet ihn im gleichen Zuge als „die erhabene ewige Macht“ („la souueraine puissance eternelle“): „Ich glaube an den heiligen Geist …“ (Glaubensbekenntnis). Und zur zweiten göttlichen Person bekennt er sich in der ersten Vorrede wie folgt:

Consyderant aussi la sentence du vray Sauueur … Ich bedenke auch die Aussage des wahren Retters …

Und gleich hinterher zitiert er dessen Aussage Matthäus 7,6: „Gebt das Heilige nicht den Hunden …“, und bezieht sich mit der Bezeichnung „wahrer Retter“ somit ganz klar auf Jesus Christus und verteidigt ihn auf diese Weise als den einzigen Retter, was an der Esoterik völlig vorbei geht, weil sie in Christus nicht den Erlöser/Retter sieht. Doch das ist bei Nostradamus noch kein Hinweis darauf, dass er auch an die Gottheit Christi glaubte. Schließlich gibt es etliche, die irrglauben, dass Christus Gottes Geschöpf sei, aber nicht Gott. In seiner zweiten Vorrede sagt Nostradamus über Christus:

& dans iceluy temps & en icelles contrees la piussance infernalle mettra à l’encontre de l’Eglise de Iesus Christ la puissance des aduersaires de sa loy … und in dieser Zeit und in diesen Gegenden wird die höllische Macht im Gegensatz zur Kirche Jesu Christi die Macht der Gegner seines Gesetzes einsetzen …

Hier spricht Nostradamus von Christi Gesetz, und in derselben Vorrede an anderer Stelle vom „heiligen Volk Gottes, Befolger seines Gesetzes“ („sainct peuple de Dieu obseruateur de sa loy“), womit er folglich Christus als Gott, den Gesetzesgeber, bekennt.

Wenn Nostradamus von dem einen und einzigen Gott als von „ihnen“ spricht, dann hatte er also den dreifaltigen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist, im Sinn, und keineswegs einen esoterischen Gott, wie ihm gewisse Katholiken indirekt unterstellen, wenn sie ihn fälschlicherweise der Esoterik bezichtigen. Überhaupt gibt es in seinen Schriften keinerlei Hinweise auf esoterisches Gedankengut, obwohl einige Nicht-Katholiken natürlich anderer Meinung sind. Doch nicht umsonst fordert Nostradamus in seinem Bannvers auf, dass sich das gottlose Volk von seinem Prophezeiungswerk fernhalten soll:

Legis cantio contra ineptos criticos

Quos legent hosce versus mature censunto[censento],


Profanum vulgus & inscium ne attrectato:


Omnesq; Astrologi Blenni, Barbari procul sunto,


Qui aliter facit, is rite, sacer esto.

Des Gesetzes Bannspruch gegen die törichten Kritiker

Die diese Verse hier lesen, sollen sie im gereiften/ausgebildeten Zustand beurteilen,


Das profane/ruchlose/gottlose und unwissende Volk soll nicht angelockt werden:

Und alle Astrologen, Toren, Barbaren sollen sich fernhalten,

Wer anders handelt, ist nach Vorschrift verflucht (z.B. gemäß Offb. 22,18-19).

Warum sich das gottlose Volk von seinen Prophezeiungen fernhalten soll, liegt auf der Hand. Diese Menschen würden Nostradamus und seine Prophezeiungen nach ihrem gottlosen Sinn beurteilen, wie das ja Esoteriker und andere tatsächlich tun, und ihm gottlose Dinge andichten, mit denen er nichts zu tun hatte und die auch in seinen Prophezeiungen nicht vorkommen. Doch zurück zum Thema:

Da sich Nostradamus ganz klar zum dreifaltigen Gott und zu Jesus Christus als alleinigen Retter bekennt, so war er eindeutig Christ und kein Esoteriker!

Wenn er also Christ war, war er auch katholischer Christ? Seine katholischen Gegner sagen nein! Er habe sich für den Protestantismus ausgesprochen! Dies würde der folgende Teil eines Briefes belegen, den er an den Lutheraner Lorenz Thube geschrieben habe:

„Hier in Salon brodelt wie anderswo auch wegen des Glaubens Hass und Streit unter den angesehenen Herren; der Zorn wächst unter den Verteidigern der papistischen Tradition – ebenso wie unter den Bekennern der Lehre in ursprünglicher Frömmigkeit. Ein gewisser, auf der Kanzel sehr zungenfertiger Franziskaner bringt die Menge gegen die Lutheraner auf, stachelt sie zu Gewalt auf und drängt sie zu Mordtat gar. Fast kam es Karfreitag dazu, 500 Mann mit Eisenstangen bewaffnet fielen wie Wahnsinnige in die Kirche ein. Nostradamus wurde als Lutheraner genannt. Fast alle anderen Verdächtigten sind geflohen. Was mich betrifft, floh ich durch diese gewalttätige Wut erschreckt nach Avignon.“

Der Textinhalt dieses Briefes weist darauf hin, dass der besagte Brief nicht von Nostradamus stammt, sondern von jemand anderem. In diesem Textabschnitt heißt es nämlich:

A Nostradamus wurde als Lutheraner genannt.
Fast alle anderen Verdächtigten sind geflohen.
B Was mich betrifft,
floh ich durch diese gewalttätige Wut erschreckt nach Avignon.“

Im A-Teil wird in der dritten Person Singular geschrieben (Er – Nostradamus), während im B-Teil in der ersten Person (Ich) weitergeschrieben wird:

Nostradamus wurde als Lutheraner genannt.

Was mich betrifft,
floh ich …“

Das deutet darauf hin, dass der Brief von einem anderen Einwohner der Stadt Salon an Lorenz Thube geschrieben wurde, aber nicht von Nostradamus. Dieser Verfasser berichtet Thube, dass der „zungenfertige Franziskaner“ Nostradamus verdächtigt habe, Lutheraner zu sein. Fast alle anderen Verdächtigen seien geflohen, während Nostradamus zusammen mit anderen wenigen Verdächtigen in Salon zurückblieb und nicht floh. Von sich selbst berichtet der Verfasser, dass er erschreckt nach Avignon geflohen sei.

Wer diesen Brief fälschlicherweise Nostradamus zugeschrieben hat, ist mir nicht bekannt. Auf Wikipedia wird auf einen gewissen Dupèbe (1983) verwiesen, wobei von Wikipedia gerade zu diesem Abschnitt angemerkt wird: „Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.“

In Wahrheit hatte Nostradamus enge Beziehungen mit den Franziskanern. Die enge Beziehung des Nostradamus mit den Franziskanern prägte seinen Sohn André (geboren 1557) so sehr, dass dieser später selbst Franziskaner-Mönch wurde. Weil Nostradamus eine enge Beziehung mit den Franziskanern hatte, verfügte er im Juni 1566 in seinem Testament, dass er in deren Kapelle zu Salon beigesetzt werden wolle. Das Testament wurde dann von dem Franziskaner-Abt unterzeichnet. Des Weiteren hinterließ er den Franziskanern eine beträchtliche Geldsumme zurück. Vor seinem Tod empfing er die Sterbesakramente. Nach seinem Tod am 2. Juli desselben Jahres wurde er dann in der genannten Franziskaner-Kapelle beigesetzt.

Nostradamus‘ Katholizität bestätigt sich noch auf vielfältige andere Weise. So bezeichnet er in einer seiner Presages für 1566 den hl. Papst Dyonisius als „Vater Dionysius“. Die katholische Kirche selbst bezeichnet er in seinem Brief an König Heinrich (1557/58) als „Kirche Jesu Christi“ und die gläubigen Katholiken als „Volk Gottes, Befolger seines Gesetzes“. Das Heilige Messopfer und den eucharistischen Herrn betitelt er im selben Brief mit der sehr schönen Bezeichnung „das Opfer der heiligen und unbefleckten Hostie“. Auch muss er sehr viel von der Muttergottes gehalten haben, da er im Brief an König Heinrich schreibt:

nostre sauueur & redempteur Iesus Christ, nay de l’vnique vierge, … unseres Retters und Erlösers Jesus Christus, geboren von der einzigartigen/einmaligen Jungfrau …

1.) Zunächst ist festzustellen, dass Nostradamus an dieser Stelle die Muttergottes überhaupt nicht hätte erwähnen müssen. Doch er tat es, weil Sie ihm viel bedeutet haben muss. Anders ist diese Hinzufügung nicht zu erklären. Er hätte die Jungfrau Maria also einfach nach protestantischer Manier ignorieren und statt

und der Zeit unseres Retters und Erlösers Jesus Christus, geboren von der einzigartigen/einmaligen Jungfrau, sind es … 1350 Jahre“

einfach

und der Zeit unseres Retters und Erlösers Jesus Christus sind es … 1350 Jahre“

schreiben können.

 

2.) Er bezeichnet die hl. Jungfrau als einzigartig bzw. einmalig, womit er ausdrückt, dass es keine andere Jungfrau gibt, die Ihr auch nur ein bißchen ähnlich wäre, nichteinmal eine heilige Ordensfrau. So erhaben betrachtete er sie – selbst über alle heiligen Jungfrauen.

Anhand weiterer Texte, auf die ich auf diesem Blog noch eingehen werde, wird sich weiter erweisen, dass Nostradamus durch und durch traditionell römisch-katholisch war.

An dieser Stelle will ich nun auf den Vorwurf eingehen, Nostradamus sei Okkultist, genau genommen Magier und Wahrsager, gewesen. Er selbst aber verneint das, indem er in der ersten Vorrede zu seinen Prophezeiungen schreibt:

Et aussi mon filz ie te supplie que iamais tu ne vueilles emploier ton entendement à telles resueries et vanités qui seichent le corps & mettent à perdition l’ame, donnant trouble au foyble sens mesmes la vanité de la plus que execrable magie reprouuée iadis par les sacrées escriptures, & par les diuins canons … Und weiter bitte ich dich, mein Sohn, dass du niemals deinen Verstand verwenden wollest für diese Träumereien und Einbildungen/Nichtigkeiten (menschliche Weissagungen [Wahrsagerei], anderes Wissen u. okkulte Kräfte), die den Körper austrocknen (körperl. Erkrangungen) und die Seele ins Verderben führen (von Gott trennen), während sie die schwachen Sinne in Verwirrung setzen (psych. Erkrankungen), besonders die Nichtigkeit/Einbildung der mehr als abscheulichen Magie, einst verdammt durch die Heiligen Schriften, und durch die göttlichen Kirchenregeln.

Das sind keine Worte eines Okkultisten, sondern eines gläubigen Katholiken, der allen Okkultismus verurteilt, seinen Sohn und damit auch alle Leser seiner Propheties davor warnt und dabei auf die heiligen Schriften der Bibel und auf die Kirchenregeln verweist, die das alles verdammen. Darüber können auch all die falschen Übersetzungen, falschen Auslegungen und die Fälschungen bestimmter Stellen und schwer zu verstehende Textpassagen in den Propheties des Nostradamus nicht hinwegtäuschen, mit denen man suggerieren oder beweisen will, dass Nostradamus Magier und Wahrsager gewesen sei.

Ja, schön und gut, sagen nun sicherlich einige Katholiken, aber Nostradamus war doch Astrologe!

Nostradamus hat nie Astrologie studiert, hat sich aber dennoch manchmal als Astrologe versucht, weshalb der Astrologe Laurens Videl, ein Zeitgenosse des Sehers, über ihn in einem Pamphlet folgendermaßen urteilt: „Ich kann mit völliger Sicherheit sagen, dass Du von echter Astrologie weniger als nichts verstehst … Du, der nicht die geringste Bewegung irgend eines Sterns zu kalkulieren weißt: und keineswegs mehr als die Bewegungen verstehst Du, wie Deine Ephemeriden zu benutzen sind.“(1) Dennoch war Nostradamus Letztenendes ein Gegner der Astrologie, da er in seinem Bannvers zu seinen Prophezeiungen erklärt:

Omnesq; Astrologi Blenni, Barbari procul sunto,

Qui aliter facit, is rite, sacer esto.

Und alle Astrologen, Toren, Barbaren sollen sich fernhalten,

Wer anders handelt, ist nach Vorschrift verflucht (z.B. gemäß Offb. 22,18-19).

Wenn er nun alle Astrologen, wirklich alle, auffordert, sich von seinen Prophezeiungen fernzuhalten, dann betrachtete er sich selbst nicht als Astrologen. Er schließt sich damit aus dem Kreis der Astrologen aus.

Zudem dürfen wir, was die Astrologen und Vertreter der Astrologie unter den Katholiken der damaligen Zeit betrifft, nicht nach den heutigen Maßstäben beurteilen. Denn zu der Zeit hat die katholische Kirche die Astrologie erlaubt und befürwortet, weshalb sie selbst 1520 die Astrologie auf der Vatikanischen Universität als Studienfach einführte. Deshalb versteht es sich von selbst, dass z.B. auch die hl. Hildegard von Bingen, der hl. Albertus Magnus und der hl. Thomas von Aquin die Astrologie vertreten und propagiert haben. Zu der Zeit sahen die Kirche und ihre Heiligen nichts Verwefliches darin. Erst in den 1580er Jahren hat die Kirche unter der Leitung des Heiligen Geistes die Astrologie als schwere Sünde erkannt und sie für immer verboten. Ab diesem Zeitpunkt hat sich dann auch das Verhältnis der Katholiken zur Astrologie grundlegend geändert. Ab diesem Zeitpunkt nahm die Astrologie unter den Katholiken zunehmend ab, bis sie von ihnen ab dem 17. Jahrhundert überhaupt nicht mehr praktiziert wurde.

Somit hat sich Nostradamus nichts zu Schulden kommen lassen, genausowenig wie die hl. Hildegard von Bingen, der hl. Albertus Magnus und der hl. Thomas von Aquin und viele andere gläubige Katholiken! Auch wenn Nostradamus in seinen beiden Vorreden zu seinen Prophezeiungen von „astrologischen Berechnungen“ spricht, die er im Hinblick auf seine Prophezeiungen durchgeführt habe, so meinte er mit dieser Bezeichnung nicht astrologische, sondern astronomische Berechnungen, was ja schon sein Bannvers enthüllt (s.o.). Seine Prophezeiungen haben mit Astrologie nichts zu tun, sondern mit Astronomie. Deshalb verwendet er in demselben Werk für dieselbe Art der Berechnungen auch die Bezeichnung „Astronomie“. Das ist auch logisch, weil der Begriff „astrologie“ seinerzeit auch „Astronomie“ bezeichnen konnte. Ich will nun an einem Beispiel Nostradamus‘ „astrologische“ Berechnungen vorführen, damit Sie sich ein Bild davon machen können. Im Brief an seinen Sohn Cäsar schreibt er:

mais assemblés les vns en Aquarius par plusieurs années, les autres en Cancer par plus longues & continues. indessen die einen [Planeten] mehrere Jahre hindurch in Wassermann versammelt, die anderen noch längere Zeit hindurch und anhaltend in Krebs.

Nostradamus schreibt, dass sich die einen Planeten mehrere Jahre im Zeichen Wassermann befänden und andere noch längere Zeit im Zeichen Krebs. Nun kannte man seinerzeit keine Planeten, die mehrere Jahre und darüber hinaus in einem Sternzeichen bleiben können, außer Saturn mit etwa 2 Jahren und 3 Monaten. Die übrigen Planeten, die dazu in der Lage sind, wurden erst viel später, nach Nostradamus‘ Tod entdeckt, nämlich Uranus, entdeckt 1781, Neptun, entdeckt 1846, und Pluto, entdeckt 1930. Letzterem wurde zwar im Jahr 2006 der Planetenstatus wieder aberkannt, aber in der Astrologie beibehalten. Der Planet Uranus kann etwa 6 ½ Jahre in einem Tierkreiszeichen bleiben, Neptun etwas über 12 Jahre und Pluto etwa 23 ½ Jahre. Das zeigt, dass Nostradamus diese Planeten bereits seinerzeit gekannt hat, da er auf sie hinweist. Da sie mit bloßem Auge nicht sichtbar sind, und es seinerzeit noch keine Teleskope gab, so muss er sie und ihre realen Positionen im Weltraum in seinen Zukunftsvisionen gesehen haben, woraufhin er ihre Bahnen und Positionen astronomisch berechnete, um die Zeitangaben zu den parallel dazu vorhergesehenen Ereignissen zu ermitteln, die (gemeint die ermittelten Zeiten) er dann, wie oben, in astrologischer Sprache verschlüsselte. So sahen also Nostradamus‘ Berechnungen aus. Mit Astrologie hatte das alles nichts zu tun, sondern mit Astronomie!

Wie ernst Nostradamus es mit der Kirche nahm, zeigt sich nicht nur daran, dass er, wie oben bereits dargelegt, im Brief an seinen Sohn auf die Heilige Schrift und die Kirchenregeln im Hinblick auf die Wahrsagerei und Magie verweist, die diese Praktiken verdammen, sondern auch an der Tatsache, dass er im selben Brief von einer „geheimen Philosophie“ spricht, die ihm bekannt war, und im gleichen Zuge darauf hinweist, dass sie von der Kirche nie verdammt wurde. Das zeigt, wie stark sich Nostradamus an den Vorgaben der katholischen Kirche orientierte. Er setzte sich nie über die von ihr gesetzten Grenzen hinweg. Weiter erklärt er, dass, obwohl die Kirche die nicht weiter genannte „geheime Philosophie“ nicht verdammt habe, er ihre Bücher, die er besaß, trotzdem verbrannte, und zwar, weil er ihre von der Kirche erlaubte Philosophie dennoch für gefährlich erachtete. Daran zeigt sich, wie verantwortungsbewusst Nostradamus als gläubiger Katholik war.

Jetzt ist die Zeit allmählich gekommen, Nostradamus zu entmythologisieren, und aufzuzeigen, dass er gläubiger Katholik war, und sonst nichts. Im Brief an König Heinrich „second“, einen künftigen katholischen König, schreibt er:

Das geht mit meinem einzigen Wunsch einher, dass meine dermaßen lange Dunkelheit und Verfinsterung unverzüglich erhellt und vor das Antlitz des erhabenen Auges/Blickes und des ersten/höchsten Monarchen der Welt gebracht wird.“

Diese lange Dunkelheit und Verfinsterung, in der sich Nostradamus noch immer befindet, ist die Verdeckung seiner wahren, katholischen Identität, welche (gemeint ist die Verdeckung) einen Nostradamus zeichnet, den es nie gegeben hat. Die Mythen und Legenden, die okkult behaftete Personen, andere und die Medien um seine Person geschmiedet haben, werden dann endlich verschwunden sein, und zwar wenn Nostradamus „vor das Antlitz des erhabenen Auges/Blickes und des ersten/höchsten Monarchen der Welt“, einem künftigen katholischen Kaiser und König, dem vielfach prophezeiten Großen Monarchen, erhellt gebracht worden sein wird.

Auf diesem Blog nehme ich den ersten Schritt zur Entmythologisierung des Nostradamus vor, in der Hoffnung, dass er wenigstens ein bißchen aus seiner langen Dunkelheit und Verfinsterung herausgelangt …

Nun noch ein paar Worte zu seinen Prophezeiungen selbst:

Nostradamus selbst war, wie seine beiden Vorreden belegen, davon überzeugt, dass seine Prophezeiungen und auch die Zeitangaben dazu göttlichen Ursprungs sind. Gott habe ihm die Zeitangaben mithilfe Astronomischer Berechnungen (s.o) geoffenbart.

Viele fragen sich, weshalb er seine Prophezeiungen kryptisch verfasst hat. Die Gründe nennt er selbst in seinen beiden Vorreden. Ich fasse nur zusammen:

Seine Prophezeiungen sind für eine künftige Generation gedacht, in der sie infolge einer vollständigen Entschlüsselung verstanden werden. Damit sie die Jahrhunderte bis dahin überstehen, musste sie Nostradamus notgedrungen sprachlich und anderweitig verschlüsseln. Denn hätte er sich klar und deutlich ausgedrückt, erklärt er, hätten die Mächtigen sein prophetisches Werk längst der Vernichtung preisgegeben, da echte Prophezeiungen nicht das sagen, was gewisse Herrscher gerne hören. Denn solche Machthaber sehen durch Prophezeiungen ihre eigene Macht gefährdet. Und so würden seine Prophezeiungen in klarer Ausdrucksweise jene künftige Generation, der sie zum „gemeinsamen Nutzen“ dienen sollen, nicht erreichen.

Ich hoffe nun, dass ich Ihnen in aller Kürze verständlich genug darlegen konnte, wer Nostradamus wirklich war, nämlich ein tief gläubiger Katholik seiner Zeit, der sich in jenen Grenzen bewegte, welche die Kirche seinerzeit für alle Katholiken gesetzt hat.

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(1) Videl: Declaration des abus, ignorances et seditions de Michel Nostradamus, 1558. S. 6.

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